Andreas Grossmann
Tips


Diese Tips und Meinungen sind rein subjektiv und keinesfalls vollständig. Und Foren gibt es schon genug. Dennoch freue ich mich über jede Elektropost.

Gitarren
Blazer & Henkes aus Tübingen bauen die einzigen Alternativen zu völlig unbezahlbaren alten Martin-Gitarren. Ich spiele zwei OM Modelle, allerdings mit schmalerem Hals, wie es ihn erst ab ca. 1939 bei D und OOO gab. Auch bevorzuge ich eine relativ schlanke V-Form. Es lohnt sich, mit Rudi (ein wunderbares holländisches Geschwäbel) und Willi die Wahl des eigenen Instrumentes zu erörtern, die beiden verstehen ihr Fach. In München werden zu fairen Preisen Stevens-Gitarren gebaut. Verlässliche, hochklassige Arbeitsinstrumente. Auch hier sind etliche Custom Optionen möglich, ausserdem machen Werner und Stefan hervorragende Reparaturen. In derselben Liga spielen die Breedloves (Master Class Serie), bei denen ein sehr moderner Ansatz verfolgt wird. Insbesondere die abgefahrene, einstellbare Bridge-Tension ist einzigartig.  Santa Cruz Gitarren aus Californien, ähnlich wie Collings aus Texas,
stehen zwischen Martin einerseits und Blazer & Henkes andererseits, verfolgen also die traditionelle Linie. Neue Martins oder Gibsons sind zwiespältig. Allerdings weiss ich aus meiner Zeit im Laden: Wer eine haben will, muss eine haben, sonst gibt es ein Unglück. Und wenn es ein beschissener Martin DXM Plastik-Laminat-Eimer mit Holzmuster ist. Ich selbst habe eine HD 28 Vintage, die ganz ok ist. Für einen Freund habe ich einmal eine neue Gibson J 185 besorgt und war hoch erfreut über das Instrument. Einen ganz anderen Weg gehen die irischen Lowden Gitarren. Ich habe eine 12string Mahagoni-Jumbo mit Zederndecke. Da ich mit Fingernägeln spiele, gefällt mir die schnelle Ansprache der Zederndecke. Mahagoni, weil eine 12string sowieso schon so viele Höhen hat. Aus Mittelengland kommen die Fylde Gitarren, selten, aber ein Ohr wert (Kennt noch jemand John James?). Ferner gibt und gabe es eine Reihe von Geheimtips oder nicht mehr produzierenden Manufakturen, wie Bozo, Gurian, Franklin, Kuckich, Bown, die gebraucht sehr interssant sein können. Aus dem Rieseneintopf charakterloser Konfektionsinstrumente ragen Stanford und Furch Instrumente angenehm heraus. Viele Marken erwähne ich nicht,  z.B. Guild, Taylor, Maton, Ovation, Takamine oder Lakewood. Da möchte ich mich zurückhalten. Die Full Metal Fraktion spielt gern National - ganz schön laut! Da frage man meinen Kollegen Rainer Wöffler.

Hölzer
Wer einen HiFi Sound möchte, darf gern zu Palisander greifen. Rio kann alles besser als Ostinder, ist aber dramatisch teurer. Ahorn klingt hart, während Mahagoni einen mittigen Klang fördert. Unfassbar schön finde ich Koa (klingt wie irgendwas zwischen Mahagoni und Ahorn). Fichtendecken (besonders die alpinen) strahlen mehr als Zedern, während selbige eine schnellere Ansprache haben. Es kommt natürlich auf sehr viele Parameter an (Holzdicke, Verbalkung, Deckenspannung, Halswinkel etc.). Also: Ohren auf! Im übrigen gibt es jede Menge modischer Hölzer ("Tasmanisches Teufelholz, Mocassar Mumpitz....."), die es vielleicht immer dann gibt, wenn irgendwer eine billige Quelle aufgetan hat.

Saiten
Ich kenne Piezo PU Spieler, die 010er einen Ganzton tiefer spielen. Gar nicht mein Ding. Allerdings gibt es auch Kollegen, die 013 – 058 spielen. Für mich sind 012er der ideale Kompromiss zwischen gerade noch straffem Ton und angenehmer Bespielbarkeit, besonders bei Bendings. Probieren, probieren, probieren.

Form
Es gibt Gitarristen, die spielen auf einer fetten Dreadnought filigranen Fingerstyle (Guild D 55/ John Renbourn). Geht ja eigentlich gar nicht. Oder eben doch. Das ist nämlich genau so, als ob ein schlaumeiernder Besserwisser doziert, eine Gibson Les Paul geht für Solo besser als eine Fender Stratocaster. Oft entstehen interessante Klänge, wenn man Instrumente benutzt, die eigentlich für etwas anderes gebaut waren. Die OM z.B., heute geschätzt wegen ihrer Balance und Handlichkeit, heisst OM (Orchestermodell), weil sie 1929 die größte Seriengitarre war. Jumbogitarren mag ich gar nicht, aber ich liebe meine 12 saitige. Eine eierlegende Wollmilchsau sollte man nicht erwarten, die können meistens nichts richtig. Und lieber einen etwas schiefen Charakter, als geleckte Langeweile. Und im übrigen ändert sich der Geschmack sowieso alle zwei Jahre, jedenfalls die ersten zehn Jahre lang. Na denn Prost Mahlzeit.

Pickups
Eigentlich finde ich alle Pickups Mist. Wenn ich aber (als „Gitarrenflüsterer“) vor mehr als zwanzig Leuten spiele, dann ist Schluss mit lustig. Ich verwende live einen LR.Baggs M1 Magnet PUs (in Verbindung mit einer Audiotechnica 4041 Kleinmembran Zigarre), da ich von Piezos Pickel kriege. Wenn PU, dann soll er auch ehrlich nach PU klingen und nicht nach Eierschneider. Falls jemand einen alten D’Armond auftreibt – her damit! Bei Aufnahmen allerdings benutze ich nur Microphone, das Kleinmembran gezielt auf das obere Korpusende, für die Bässe ein Großmembran. Alles möglichst ohne EQ. Live mehr Reverb als im Studio, dafür bei Aufnahmen etwas mehr Kompresse.

Nägel vs. Fingerpicks
Früher habe ich mal mit Aufsätzen gespielt (Daumen Plastik, Finger Metall  015 von Dunlop). Für eine straighten amerikanischen Ton ist das wohl ok. Da ich aber eher dem british orientierten Fingerstyle verfallen bin, spiele ich mit Nägeln. Allerdings machen die normalen, „serienmäßigen“  Nägel schnell schlapp, so dass ich mir künstliche aufklebe.  Alles geht. Ich kenne einen verrückten Franzosen, der spielt mit aufgepappten Tischtennisballteilen.

Tunings
Keine Ahnung, wie viele Stimmungen es gibt. Ich beschränke mich hier mal auf die, die ich verwende. Über die Standard Tuning müssen wir nicht weiter reden. Bei der Martin und der Lowden stimme ich die Gitarre insgesamt einen Ganzton tiefer. Open G wird dann zu open F, bleibt aber gedacht G. Hat mich früher oft verwirrt, bis ich geschnallt hatte, dass manch einer der 12string Heroen z.B. "open E" spielt, ist aber open G - 3. Es gibt auch open E als open D + 2. Alles klar? Also hier die Aufstellung:
Standard
DADGBE (dropped D) macht D so richtig satt.
DADGBD (doubledropped D) klingt schon fast wie open.
DADGAD (modal D) wirkt luftig, keltisch.
DADDAD :Stephen Stills benutzt DDDDAD - das ist selbst mir zu heftig.
DGDGBE (doubledropped G), wie entsprechend D.
DGDGBD (open G) ist die meistverwendete open Tuning, sehr slidefreudig.
CGDGBD bringt zu open G noch ein Extrapfund auf die V. Stufe.
CGDGBE (unten Quinten) bringt einen weiten Tonumfang, besonders wenn bei der Lowden das tiefe C zum Bb wird.
EAEGBE ist quasi dropped E für e-moll.
Einem auch so tuningverrückten Freund gab ich einst eine Gitarre in die Hand. Er probierte und fragte mich, was denn das für eine abgefahrene Stimmung sei. Es war EADGBE.......                                                                                                                                                             

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